Street Art hat viele Gesichter und ich finde bisher alle klasse! Auf meinen Expeditionen in die Innenstadt stoße ich meistens auf Paste-Ups und Sticker, aber eigentlich sind alle Formate vertreten. Tipp: Augen offen halten, den Blick über Augenhöhe heben und auch mal in die ein oder andere Nische schauen.
Adbusting

Big Surprise
Ad, die Kurzform von advertisement, in Kombination mit dem Verb to bust, so nennt sich die Form der Street Art in der Außenwerbung verfremdet, überklebt oder auf andere Weise umgestaltet wird. Ziel ist es den Sinn zu verändern, umzudrehen oder lächerlich zu machen. Adbusting ist eine Form der Kommunikationsguerilla. Die Nachricht, die vermittelt werden soll, beinhaltet oft Kritik an der Konsumgesellschaft, an den Bildwelten der Werbefotografie und der visuellen Umweltverschmutzung.
Berühmt berüchtigte Street Artists auf diesem Gebiet sind DR D, Jack Napier und Ron English.
Es gibt aber auch harmlose, weniger politische Adbusters, die eher spielerisch sind, wie in dem Bild “Big Surprise”.
Aufkleber
Eins steht fest, ein Aufkleber (engl. Sticker) kommt selten allein. In einer Innenstadt gibt es oft ganze “Stickermuseen”. Am häufigsten sind Aufkleber auf Verkehrsschildern, Ampeln, Rohren, Automaten, Strom- und Postkästen zu finden, kurzum an und auf allen gut sichtbaren und vor allem glatten Oberflächen, die eine lange Haftung bieten. Aufkleber sind sehr praktisch, da im Gegensatz zum Cut Out oder Paste-Up der Klebstoff nicht mehr extra aufgetragen werden muss. Äußerst beliebt sind auch die DHL-Päckchen-Aufkleber.
Cut Out / Paste-Up
Am Anfang war das Poster. Seit zweihundert Jahren werden Poster als Wahl- oder Werbeplakate und für die Ankündigungen von Events eingesetzt. Die Technik haben sich Street Artists zu Nutze gemacht. Das Poster wird zu Hause oder im Atelier vorbereitet, das Motiv ausgeschnitten und dann in einem günstigen Moment draußen auf der Straße an einer Wand angebracht. Im Gegensatz zu Graffiti ist das Anbringen von Cut Outs / Paste-Ups keine Straftat, sondern nur eine Ordnungswidrigkeit, da sie leicht wieder zu entfernen sind.
Dem Schwierigkeitsgrad in der Herstellung sind keine Grenzen gesetzt. Die Werke von Swoon zum Beispiel sind richtig aufwendige Scherenschnitte. Sie begann ihre Arbeit 1999 in New York und ist mittlerweile eine weltweit anerkannte Künstlerin.
Fassadenmalerei / Mural

Kiefernstraße (Düsseldorf)
Das Mural ist ein Wandbild und zeichnet sich durch sein enormes Ausmaß aus. Diese Form der Street Art ist auch bekannt als Fassadenmalerei, jedoch wird dieser Ausdruck eher für kommerzielle Aufträge benutzt. Aber ob kommerziell oder non-profit-Aktion, letztlich handelt es sich überwiegend um legale Arbeiten, im Gegensatz zu allen anderen Werken der Street Art. Aufgrund des technischen und zeitlichen Aufwands muss für derart großformatige Projekte um Erlaubnis gefragt werden.
Häufig werden für Murals Brandwände ausgesucht. Das sind Wände ohne Fenster bzw. Öffnungen, die als elementarer Bestandteil des Brandschutzes dazu bestimmt sind, das Übergreifen eines Feuers auf andere Gebäude oder Gebäudeabschnitte zu verhindern.
Besonders eindrucksvolle Murals finden sich im Archiv von Wooster Collective.
Kachel

Space Invader am Dom by Invader
Mittels Schablone oder Siebdruck können auf Kacheln Motive aufgetragen werden. Die fertige Kachel kann mit einem starken Kleber oder mit Zement an einer Wand befestigt werden. Die Mosaike des Street Artists Invader sind wohl die weltweit bekannteste Form der Kachel-Kunst. Sein Motiv, der Space Invader, ist zwar auf jedem seiner Werke zu finden und alle sind aus Mosaiken, aber sie variieren alle in ihrer Darstellung. Die Pixelästhetik ist das Markenzeichen des Künstlers. Inspiriert von dem Computerspiel zog der Parisianer 1999 das erste Mal los. Laut seiner Website space-invaders.com gibt es allein in Köln 24 Space Invaders, weltweit schlug Invader schon über 2000 Mal zu. Angeblich ist er der Cousin von Thierry Guetta, alias Mr. Brainwash, der im Film “Exit Through The Gift Shop” auch mit dem berühmten Street Artist Banksy um die Häuser zog.
Schablone
Schablonensprühen oder -malen ist eine alt bewährte Technik, um schnell und sauber zu arbeiten. Die wohl berühmtesten Schablonengraffiti (engl. Stencil / frz. Pochoir) sind von Banksy, einem weltweit agierendem, englischen Street Artist, der 2010 den Film “Exit Throuh The Gift Shop” rausbrachte. Als Material wird Papier, Karton, Kunststoff oder dünnes Aluminium gewählt, das Motiv wird aufgetragen und dann mit einer Schere o.ä. entfernt. Entweder geht’s dann mit der fertigen Schablone raus, um das Motiv aufzutragen oder ein Aufkleber, Papier oder eine Kachel wird noch zu Hause oder im Atelier besprüht bzw. bemalt. Am häufigsten finden sich einfarbige Stencils, aber es gibt auch aufwendigere, mehrfarbige Arbeiten.
Skulptur / Installation

Skulptur in Ehrenfeld
Viele Street Artists installieren dreidimensionale Objekte im öffentlichen Raum. Dem Material und der Form von Skulpturen sind dabei keine Grenzen gesetzt.
Doch was ist Installation, was ist Skulptur? Die Übergänge sind fließend. Eine Skulptur kann für sich alleine stehen bzw. ein unabhängiges Kunstwerk darstellen, das überall ausgestellt werden kann. Eine Installation hingegen bezieht den Raum in der sie statt findet mit ein.
So würde ich Banksys ermordete Telefonzelle auch als Installation bezeichnen. Das Handy hat die Telefonzelle abgelöst bzw. gekillt. Der Mensch, der ein Mobilfunkgerät besitzt, braucht keine Telefonzelle mehr. Die Telefonzelle ist sozusagen ein Auslaufmodell, ein Relikt vergangener Zeit, in der es nicht möglich war immer und überall erreichbar zu sein.
Ich habe bisher erst eine Installation in Köln gesehen, sogar ein interaktives Werk, das zum Mitmachen animiert. An der Schnur des Fuchs-Hampelmanns lassen sich die Beine bewegen und seine Aussage ist klar: “The Streets Are Ours”.


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Urban Knitting
Stricken, hekeln, knüpfen – der Technik die Wolle an den Laternenmast zu bringen sind keine Grenzen gesetzt. Eine wärmende Husse ziert auch schon mal die ein oder andere Parkbank, wie links im Bild zu sehen ist. Auch in Australien sind Straßenlaternen oder Fahrräder nicht vor Guerilla Knitting sicher.
Eine besonders schöne Aktion in meiner Lieblingsstadt London fand 2009 statt. Das Video zeigt wie Deadly Knitshade, Bluestocking Stitcher, The Purple Purler, Lady Loop, Shorn-a the Dead und Knitting Ninja unter dem Motto “Knit the City” losziehen, um das Stadtbild zu verändern und “Holy Sunshine” zu verbreiten.




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